Schiff im Wald

Die prägende Dachgeometrie eines Einfamilienhauses in der Nordheide bei Hamburg wirkt wie ein "Schiff im Wald". Die flachen Actua 10-Tondachziegel in edelgraphit stellen dabei den Schiffsrumpf dar.

Dächer, besonders die schönen und interessanten, werden auch als Krone eines Hau­ses bezeichnet. Sie erzählen mitunter spannende Geschichten über Bau­her­ren, Architekten oder auch Bautechniken - so wie das nicht all­tägliche Dach eines Einfa­milienhauses in der Nordhei­de südlich von Hamburg. Die rund­li­che Dachgeo­metrie mit First ist eine Abwand­lung des Tonnendaches und wird auch Zep­­­­pelindach ge­nannt.
Mit der ursprüng­lichen bauamtlichen Vorgabe ei­nes Satteldaches wollte sich das im Me­diensektor tätige Ehepaar nicht zufrieden geben und suchte nach einer reizvolle­ren Alterna­tive. Bei Auslandsreisen hatten den beiden in Ohio, USA, große Scheu­nen mit stark gerundeten Dächern besonders imponiert. In Skandi­navien gefiel der Farbkontrast dunkler Dachdeckungen und heller Holzfassaden. Daraus ent­wick­­el­te sich allmählich die Idee eines Hauses mit einem großen ge­wölb­ten Zie­gel­dach. Es besteht aus natürli­chen Baustof­fen und ist der geschützte Rückzugspunkt der jun­gen Fa­milie fernab des hektischen Medienalltags.

Moderne Dachinterpretation mit Actua 10

 

Architekt Nils von Minckwitz aus Berlin asso­ziierte am Ende der Ideenfindung für das Haus mit dieser Dachgeometrie nicht von ungefähr die Gestalt ei­nes Schiffs­rumpfes im Meer der Kiefern im Wald, denn die Dachform des Zeppelindachs wird auch als „Schiffsrumpfdach“ bezeichnet. Die flachen Koramic-Dach­ziegel Actua 10 in der Farbe edel­gra­­phit stellen den dunklen Rumpf des Schiffes dar. „Zudem“, so von Minckwitz, „steht der Dachziegel für eine moderne Dachgestaltung und führt so die tra­di­tionelle Dachgeo­metrie, die einst in den 1920er Jahren entstand, in eine neue, mo­derne Zeit über“. Das rund gedeckte Dach prägt rund Zweidrittel der Gebäudehöhe. Be­gin­nend an der Traufe, senkrecht wie eine Fassade, wölbt sich die Konstruktion schützend über das Ober­geschoss und läuft dann mit einer Dachneigung von circa 30° zum First hoch. Die Verlegung der Dachziegel im Halbverband be­tont die waagerechte Linien­führung. Die Ziegeldeckung, obwohl mit Flachziegeln ausgeführt, scheint die­ser Geo­metrie spielend zu folgen. Passend zum Dachdesign kam auch der spezielle gerad­linige Actua-First zum Einsatz. Darüber hinaus ist das „Familienschiff“ in der Nordheide ein überaus modernes Gebäude. Mit Dämmstärken von mindestens 16 cm in der Wand, 24 cm im Dach, Dreifachverglasung, Solarthermie und Stückholzheizung ist das aus natürlichen Baustoffen errichtete Einfamilienhaus weitgehend autark. Heizkosten im eigentli­chen Sinne gibt es nicht. Man wohnt schließlich im Wald.
 

Seltene Dachgeometrie früher und heute

Das Zeppelin­dach ist eine sel­tene, vom Tonnendach abgeleitete Dachgeometrie und in den meis­ten Nach­schla­­gewerken des Dach- oder Zimmerer­handwerks nicht zu finden. Spe­ziell die Be­zeich­nung Zep­pelindach wird u. a. in der Dachdeckerschule Lehesten, Thüringen, ange­wandt. Im Gegensatz zum reinen Tonnendach, das im höchsten Punkt des Da­ches keine Dachneigung und keinen First besitzt, läuft das Zeppelin­dach im obe­ren Be­reich geneigt auf einen First zu und kann damit fachre­gel­konform komplett mit Dach­zie­geln einge­deckt wer­den. Die rundliche Dachgeometrie ent­stand etwa 1920 und ist von der soge­nannten Zol­linger-Bauweise geprägt. Ar­chitekt Fritz Zollinger, einst Baurat in Merseburg bei Hal­le, pa­ten­tierte das holzsparende Zollinger-La­mel­lendach. Die kostengünstige Bau­weise schuf große stützenfreie Dachräume und zugleich, quasi als Nebeneffekt, die neuar­tige Dachgeometrie. Die Bauweise fand bis ca. 1940 Verwendung eben­so im Wohn- wie im Wirt­schafts­bau in Deutschland, Europa und sogar den USA. Das Dach des Hauses in der Nord­heide hat mit dieser Dachtechnik nur die Geome­trie gemeinsam. Das Koppelpfettendach entstand in einem modernen Abbundzen­trum. Die Pfetten liegen auf entsprechend rundlich geformten Giebel- und Zwischen­wänden auf.

 

BAUTAFEL: Einfamilienhaus in der Nordheide bei Hamburg

Dachdecker / Zimmerer: Holzvolk, Waddeweitz, www.holzvolk.de

Architekt: Nils von Minckwitz, Berlin, www.nvm-architektur.de
Dachdeckung: Koramic-Flachziegel Actua 10, edelgraphit, Wienerberger

 

 

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