BAU 2017 Poroton: Zukunftsweisendes Gebäudekonzept massiv und nachhaltig realisiert

•    Multikulturelle Kita und Jugendzentrum in Köln
•    Geförderter Neubau an sozialem Brennpunkt
•    Wohlfühlklima und Gesundheit entscheidend für Einsatz von Poroton-Hintermauerziegeln
•    Ausgeklügeltes Energiekonzept mit überzeugenden Werten

 

Hannover, Oktober 2016 (PRG) – Der Verein „Haus der Offenen Tür Porz“ ist stolz auf den Neubau des Jugendzentrums Arche Nova mit sechszügigem Kindergarten in Köln-Finkenberg. „Diese Einrichtung ist ein Leuchtturmprojekt“, sagte Walter Grau, zweiter Vereinsvorsitzender, anlässlich der Eröffnung des insgesamt 3,8 Millionen Euro teuren Projekts. Die Einrichtung für Kinder und Jugendliche befindet sich an einem sozialen Brennpunkt der Stadt. Hier leben viele sozial Benachteiligte und Menschen mit ausländischen Wurzeln. Der ortsansässige Architekt Werner Wittkowski ist seit langem Verfechter einer Massivbauweise mit Ziegeln. Die werthaltige und attraktive Umsetzung sozialer Anlaufpunkte und Einrichtungen ist ihm Herzensangelegenheit. So überzeugte Wittkowski Betreiber und Investoren vom Einsatz des Poroton-S10-MW von Wienerberger. Dieser Wandbildner sorgt für Wohlfühlklima und gesunde Raumluft. Das beeinflusst die Spiel- und Lernatmosphäre nachhaltig. Mittelfristig werden so positive Weichenstellungen für die Zukunft der Heranwachsenden vorgenommen. 

Konfiguration für zwei Funktionseinheiten

Das Architekturbüro Wittkowski & Partner erschloss das Jugendzentrum vom Süden her – die Kita von den Parkplätzen an der Ostseite. Bei der gewählten Baukörperkonfiguration setzten die erfahrenen Architekten auf eine Gebäudestruktur in Nord-Süd-Ausrichtung. Damit liegen die Nebenräume zum Osten und die Gruppenräume zum Westen. Unterschiedliche Höhen strukturieren den Baukörper – so sind die beiden Funktionsbereiche Kita und Jugendzentrum auch von außen erkennbar. Ihre Eingänge wurden entsprechend differenziert gestaltet.
Die Anordnung des Gebäudes sowie die weit auskragenden Dächer und Fluchtbalkone im ersten Obergeschoss führen zu gewollten Verschattungen, die Kühllast und Blendwirkung verringern. Im Frühjahr, Herbst und Winter, wenn die Sonne tiefer steht, kann die passive Solarenergie trotzdem genutzt werden, was sich auch in der haustechnischen Ausstattung widerspiegelt.  

Auf Speichermasse des Ziegels gesetzt

Das Gebäudekonzept basiert vor allem auf der Speicherfähigkeit der massiven Konstruktion. Hitze wird aufgenommen und zeitversetzt abgegeben. An heißen Sommertagen bleiben die Temperaturen in den Räumen tagsüber angenehm, da während der Nacht Kühle gespeichert wird. Teure Klimatechnik ist so entbehrlich. Die sehr gute Wärmedämmung der verfüllten Ziegel sorgt zudem für einen niedrigen Heizwärmebedarf im Herbst und Winter. Ziegel können zudem überschüssige Feuchte aus der Raumluft speichern und später wieder freisetzen. Das beugt Schimmelbildung vor und schafft ein angenehmes Innenraumklima. Deshalb war die Entscheidung für die Massivbauweise aus Ziegeln folgerichtig. 
Für die monolithischen Außenwände mit 42,5 Zentimeter Wand- und 46 Zentimeter Konstruktionsstärke kam der Poroton-S10-MW von Wienerberger zum Einsatz. Dank der integrierten Dämmung aus Mineralwolle sind zusätzliche Dämmmaßnahmen an der Fassade nicht erforderlich. Der U-Wert der Außenwand von 0,22 W/(m2 K) erreicht mühelos die Anforderungen der EnEV 2016. 
 

Wirkungsvolle Komponenten des Poroton-Ziegelsystems

Die Experten des Architekturbüros verwendeten auch in der Planung große Sorgfalt auf Details. Deckenrandschalen sowie wärmegedämmte Anschlagschalen sorgen beispielsweise an den kritischen Stellen der Betondecken und der Laibungen für nahezu wärmebrückenfreie Anschlüsse. Ergänzend kamen Laibungsziegel zur sicheren Fensterbefestigung zum Einsatz sowie Anschlagschalen mit einer Tiefe von 4,5 und 6,0 Zentimetern. Da das auskragende Dach von Metallstützen abgefangen wird, wurden diese zur Standsicherheit und Wärmebrückenminimierung durch thermisch getrennte Balkonplatten geführt. 

Bauberater von Wienerberger unterstützten vor Ort, als es um die qualitätsgesicherte Ausführung der Anschlüsse und Eckbereiche durch die Firma Lanzerath Bauunternehmung aus Grafschaft ging. Die so erzeugte homogene Außenfront in gebranntem Ton sorgt für eine rissfreie Putzfassade und Attikaausbildung. 
 

Eisspeicher, Erdwärme und Photovoltaik

Neben der zukunftsweisenden Umsetzung der Gebäudehülle aus Ziegeln besitzt der Neubau ein ausgeklügeltes Energiekonzept. Das überzeugende Zusammenspiel beider Komponenten spricht für Kompetenz und ökologischen Anspruch des Planungsbüros. Zum Tragen kamen gute Erfahrungen des Architekturbüros mit Eisspeichertechnik in der Wohnanlage am Sternenberger Hof in Köln. Zudem erwies sich der Baugrund im Kita-Bereich überraschend als schlecht – Bodenaushub war notwendig. Um die Investitionssumme nicht zu überschreiten, wurde diese Maßnahme durch einen im Erdreich verbauten Eisspeicher kompensiert. Er nimmt heute die Abwärme von den Solarabsorbern und der Photovoltaikmodule sowie des direkt darunter befindlichen Kraftdaches auf. 

Die Gebäudesimulation durch das Ingenieurbüro Ökoplan in Hamburg zeigte, dass die Abwärme aus den 227,5 Quadratmeter großen Photovoltaikmodulen ausreicht, um mit der im Erdspeicher eingelagerten Wärme das Gebäude über eine Wärmepumpe zu beheizen. Der 172 Kubikmeter große Eisspeicher als Wärmequelle wird unterstützt durch Flachdachsolarabsorber, die nach der Gebäudesimulation deutlich verkleinert werden konnten. Neben der direkten Sonneneinstrahlung wird auch die Energie der Umgebungsluft aufgenommen. Während die Wärmepumpe in der Heizperiode dem Eisspeicher Wärme entzieht, entsteht Kälteenergie, die in Form von Eis bis in den folgenden Sommer gespeichert wird. Das im Winter produzierte Eis ermöglicht ein vollkommen schadstofffreies und kostenloses Kühlen während der Sommermonate bis zu einer Temperatur von circa 17 Grad Celsius im Speicher. Die Photovoltaikanlage ist mit einer Leistung von 52,5 Kilowatt-Peak installiert. Es werden hiermit im Jahresdurchschnitt circa 45 000 Kilowattstunden Strom erzeugt, sodass rund 69 Prozent des Energiebedarfs für die Wärmepumpe aus der Photovoltaikanlage stammt. 

Erste Evaluationsergebnisse des realisierten Anlagen- und Lüftungskonzeptes zeigen, dass die Vorgaben der Energieagentur NRW für derartige Referenzobjekte um 43 Prozent unterschritten werden. Auch die gesamten Energiekosten für Beheizung, Kühlung, Lüftung, Warmwasseraufbereitung, Nebenaggregate und Beleuchtung im Gebäude liegen mit aktuell 0,42 Euro je Quadratmeter und Monat noch einmal rund 20 Prozent unter den eigenen Berechnungen und wesentlich unterhalb der gegenwärtigen Richt- und Durchschnittswerte von circa 1,55 bis 2,00 Euro je Quadratmeter und Monat. Die CO2-Einsparung pro Jahr beträgt 27 700 Kilogramm. 

Schneller Know-how-Transfer

Bauherr und Betreiber in Köln-Finkenberg können sich über ein wert- und nachhaltiges Objekt mit Wohlfühlatmosphäre und effizienten Bewirtschaftungskosten freuen, welches auch sein soziales Ziel erfüllt. Kinder und Jugendliche erleben im Alltag die besondere Lebensqualität eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen. Das Land NRW hat ein zukunftsweisendes Referenzobjekt gewonnen – wovon viele Fachgruppen profitieren. 
Architekt Wittkowski engagiert sich mit Vorträgen für einen schnellen Know-how-Transfer. Interessierte Fachleute nutzen gern Besichtigungstermine, um im Detail vor Ort mehr dazu erfahren. 
 
Wienerberger auf der BAU 2017: Halle A3, Stand 100/101
 

Die Federführenden des Projektes im sozialen Brennpunkt Köln-Finkenberg: links der im Forum Bauen und Wohnen der Energieagentur NRW aktive Architekt Werner Wittkowski und rechts Bauherr Walter Grau vom Verein „Haus der Offenen Tür“, Porz.