Moderne Formensprache für Einkaufsmarkt in Hude

Einkaufsmarkt in Hude
Die Bauwelt der Supermärkte ist gekennzeichnet durch Beschleunigung. Gebäude schießen wie Pilze aus der Erde und vermitteln den Eindruck von Beliebigkeit und temporärer Existenz. Von Architektur kann in den seltensten Fällen die Rede sein.

Bauherr aktiv & irma GmbH, Oldenburg
Architekt/Planer Jens Frerichs, 9°architecture, Oldenburg/Amersfoort (NL);
Jochen Rehling Projektentwicklung, Oldenburg
Art der Baumaßnahme Neubau
Produkt/Farbe Bristol, englischblaubraun, rustikal
Format NF
Lage Parkstraße 45, 27798 Hude
 
 
Ganz anders dieser Markt in Hude, zwischen Bremen und Oldenburg gelegen. Baukörper und Fassade signalisieren Wertvorstellungen für den Gewerbebau. Der vorspringende Eingang lädt Kunden förmlich ein. Modernes Einkaufen korrespondiert mit Nachhaltigkeit in der Architektur. Dieses für den Alltag in der knapp 17 000 Einwohner zählenden Kommune notwendige Bauwerk vermittelt zudem ein besonderes Stück Authentizität. In der an Klinkerfassaden reichen Region ist es den Architekten vom Büro 9°architecture; Oldenburg/Amersfoort (NL) gelungen, nicht nur durch moderne Formensprache das räumliche Erlebnis des Einkaufens aufzuwerten und damit auch der Ware selbst einen gebührenden Rahmen zu geben. Der Auftraggeber, die aktiv & irma GmbH aus Oldenburg, demonstriert damit, selbst im regionalen Baugeschehen Beliebigkeit zu vermeiden und Zeichen zu setzen für Anspruchsdenken an den gebauten Raum. Dafür würdigte die OLB-Stiftung der Oldenburgischen Landesbank 2010 den Architekten Lars Frerichs vom Büro 9°architecture mit einem Hauptpreis. 

Großzügige Glasfront harmoniert mit Gesamtkonzept

Auf 2 500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstanden ein großzügig belichteter Verkaufsraum mit Bistro im Eingang sowie allen notwendigen Arbeits- und Personalbereichen sowie Lager- und Kühlräume. Das Gebäude wirkt wie aus einem Guss und bietet selbst der Notwendigkeit von wechselnder Außenwerbung an den Seitenflächen genügend Raum. Die Juroren lobten „den Gegenentwurf zum unerträglichen Einerlei der Supermärkte“. Geschlossene und Fensterflächen seien von innen heraus entwickelt und so ein hochwertiger Gesamteindruck erzielt worden. Auch der unlängst an das Büro vergebene „1. Bremer Designpreis – Werner Steeken Edition“ macht deutlich, dass solche Bausignale dringend gebraucht werden.

Die großzügige Glasfront im portalartigen Eingangsbereich harmoniert bei dieser Planung sehr gut mit den in Grau gehaltenen Profilen der Bauelemente und dem dunkel nuancierten Klinker „Bristol“ aus dem Terca-Sortiment von Wienerberger. Der englischblaubraune Stein erzeugt ein lebendiges Farbspiel; die rustikale Oberfläche wertet das zweischalige Gebäude insgesamt auf. Der Architekt Lars Frerichs vertraute auf ein traditionelles und regionaltypisches Fassadenmaterial, wohl wissend auch, dass es dauerhaft und absolut wirtschaftlich in der Wartung ist.

Der Huder Einkaufsmarkt hat für die Architekturdebatte in Deutschland großen Wert; gerade weil das starke Signal aus einem Randgebiet kommt und ein profaner Supermarkt zu neuem Denken in der Einkaufskultur anregt.

 

 

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