Kindertagesstätte Heidenau

Kindertagesstätte Heidenau - Kunststück jenseits der Konvention

In der Kindertagesstätte in Heidenau bei Dresden durchdringen sich organische Architektur und ökologisches Bewusstsein. Modern und kreativ präsentiert sich das aus Poroton-Ziegeln T 8 errichtete Gebäude im Passivhaus-Niveau. Damit zeigt das Dresdner Büro Reiter Rentzsch Architekten, dass Baukunst und optimale Energieeffizienz dank idealer Baustoffe in keinem Widerspruch stehen müssen.

Bautafel
Objekt Neubau Kindertagestätte Heidenau, Heidenau
Energetischer Standard EnEV
Architekt Architektengemeinschaft Reiter & Rentzsch, Dresden
Bauherr / Bauträger Stadt Heidenau
Baufirma HFS Hoch- und Tiefbau GmbH
Planung Haustechnik Hawemann Solar, Radebeul
 

Zusammenführung von Natur, Gebäude und Menschen

Wir sollten danach streben, Natur, Gebäude und Menschen in einer höheren Einheit zusammenzubringen“, verkündete einst Le Corbusier, Mitbegründer der modernen Architektur. Diesem Gedanken folgend, tritt das geschwungene Gebäude aus der Uniformität bekannter Passivhaus-Architektur hervor. Grundprinzip des Entwurfs ist, das Gebäude mit der Umwelt zu verschmelzen. Somit wurde der südlich ausgerichtete Baukörper in den vorhandenen Hügel integriert, wobei er vom Hochpunkt nach Osten hin ausläuft. Das wellenförmig verlaufende und aus dem Gelände scheinbar herauswachsende Flachdach unterstützt diese organische Form, die sich auf allen Ebenen fortsetzt. Neben der lebendigen Form erzielt das Gebäude auch mit der in kräftigen Grundfarben gehaltenen Fassade eine optische Aufwertung. Dabei wirkt diese trotz des Kontrastes zum benachbarten Wohngebiet aus den 70-er und 80-er Jahren keineswegs deplatziert.

Perfekt geplant

Die äußere Form spiegelt sich auch im Inneren wider, was dem Massivbau eine dynamische Atmosphäre verleiht. Im hinteren Bereich befindet sich der Kopf des Gebäudes: eine 5,60 Meter hohe Halle, die frei von Stützen und Innenwänden ist. Ihre exponierte Lage hebt die Bedeutung als Multifunktionsraum besonders hervor. Die raumhohe Glasfassade lässt viel Licht ins Innere und sorgt dafür, dass der angrenzende Park erlebbar bleibt. Außen montierte Schiebeelemente sind nicht nur gestalterisches Element, sondern dienen zusammen mit dem auskragenden Dach der Verschattung.  

 

An die Halle grenzt der wellenförmige Flur mit maßgeschneiderten Bänken und Garderoben. Die Wände im Gang scheinen im Rhythmus der dahinter liegenden Bereiche vor und zurück zu schwingen. Große Dachfenster bewirken Licht- und Schattenspiele. Die kindgerecht geplanten Gruppenräume mit einem Sanitärbereich und einer Spiel- beziehungsweise Rückzugsebene haben jeweils einen separaten Ausgang zum Spielplatz. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich unter anderem Personal- und Funktionsräume. Die reduzierte Einrichtung der Kindertagesstätte ist unprätentiös, was für genügend Freiraum sorgt.

Eingebaute Zukunft

Durch sorgfältige Planung, passivhausgeeignete und vom Bundesministerium für Umwelt empfohlene Baustoffe und -elemente sowie hocheffiziente Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung wird hier eine enorme Energieeinsparung erreicht. Durch das angewandte Passivhaus Projektierungspaket (PHPP) beträgt der tatsächliche Jahresheizenergiebedarf 13 kWh/m²a, beispielhaft für andere öffentliche Kommunalbauten.

 

Mit einem massiven Mauerwerk aus Perlit gefüllten Poroton-Ziegeln T 8 wurde eine wohngesunde, luftdichte und  zugleich atmungsaktive Basis geschaffen – kombiniert mit einer zum Teil hinterlüfteten, farbig lasierten Lärchenholzfassade. Die hochwärme-dämmenden Ziegel eignen sich insbesondere für monolithische Wandkonstruktionen. Hanf als Material für die Schalldämmung und Flachs bzw. Kokosfasern für das Schließen von Fugen komplettieren das ökologische Konzept. Die Holzfenster sind mit Drei-Scheiben-Isolierverglasung mit einem Gesamt-U-Wert von 0,85 ausgeführt.

 

Für eine optimale und der Nutzung entsprechende Wärmeversorgung wurden verschiedene Heizsysteme installiert. Aufgrund der besonders milden Strahlungswärme, die zugleich ein gesundes sowie baubiologisch optimales Raumklima erzeugt, wurden in den vier Gruppenräumen beispielsweise Wandflächen-heizungen eingebaut. Diese erreichen in Kombination mit Poroton-Ziegeln einen idealen Wirkungsgrad. Die thermische Solaranlage mit einer Deckungsrate von 70 Prozent unterstützt zusätzlich die Warmwasserbereitung.

 

 

Das Gebäude ist damit eine gelungene Synthese aus städtebaulichen, administrativen sowie finanziellen Vorgaben für einen Kindergarten und den Ideen der Architekten. Funktionalität, ökologisches Bauen und neueste Technologien sind mit einem hohen gestalter-ischen Anspruch vereint. Durch die organische Architektur, die bewusste Nähe der Umwelt, den sparsamen Energieverbrauch und den erhöhten Komfort dank wohngesunder Baustoffe wie Perlit gefüllte Poroton-Ziegel lernen die insgesamt 72 Kinder von klein auf, wie bedeutend eine ökologische und energieeffiziente Bauweise für das Wohlbefinden und den Umweltschutz ist.

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