Flüchtlingswohnprojekt in Ziegelbauweise

• Hochwärmegedämmte Gebäudehülle sichert Anforderungen KfW-Effizienzhaus 70 • Zukunftsfähiges Nachnutzungskonzept • Städtebaulich integriertes Projekt

Hannover, April 2016 (PRG) – Wohnungsnot in Deutschland – Unterkünfte für Flüchtlinge sind dabei ein vieldiskutiertes Thema. Darüber hinaus mangelt es jedoch schon seit Jahren an bezahlbaren Wohnungen etwa für Geringverdiener und Studenten – besonders in Ballungsgebieten und Hochschulstandorten. Der Strom der Zuwanderer hat der übergreifenden Aufgabenstellung eine besondere Dynamik verliehen. Viel wird über temporäre Projekte wie Zelte, Turnhallen oder Container diskutiert; für langfristig taugliche Lösungen bleibt wenig Raum.

Wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig

Vorzeigeprojekte, wie etwa ein Bauvorhaben in der niedersächsischen Landeshauptstadt, bieten dringend notwendige Impulse für den Dialog der Entscheider, um zukunftsfähige Modelle umzusetzen. Auch die Stadt Hannover sieht sich seit Längerem damit konfrontiert, geeignete Wohnprojekte für Schutzsuchende zu entwickeln. Die kommunale Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover mbH (GBH) wurde erstmals 2013 mit dem Neubau von vier Flüchtlingswohnheimen für je 50 Personen betraut. Auftraggeber war die Landeshauptstadt Hannover. Das städtische Wohnungsbauunternehmen realisiert jetzt weitere Wohnprojekte für Flüchtlinge. Bemerkenswert: Die Gebäude werden in konventionellem Mauerwerksbau mit zeitgemäßen energetischen Standards und nach wirtschaftlich sowie ökologisch nachhaltigen Gesichtspunkten geplant und gebaut.

Passend zum städtebaulichen Kontext

Zurzeit entsteht im Stadtteil Nordstadt von Hannover ein Viergeschosser, der über 50 Menschen ab April 2016 ein Zuhause bietet. Das Gebäude mit Flugdachelementen wird in monolithischer Ziegelbauweise errichtet. Im Inneren ist das Projekt als Vierspänner konzipiert. 13 Wohngruppen sind vorgesehen. Jeweils vier Personen verfügen über ein gemeinsames Bad und eine Küche. Die Zimmer in Einzelbelegung sind circa zehn Quadratmeter groß und bilden einen Rückzugsort für die Bewohner. Im Erdgeschoss sind 150 Quadratmeter an Gewerbefläche eingeplant; dort werden unter anderem die Betreiber der Unterkunft ihre Büros eröffnen.

Hochwertiger energetischer Standard

Der Auftrag der GBH sah vor, dieses Haus mit einer Nettogrundrissfläche von 209,95 Quadratmetern nach DIN 277 in einer kurzen Bauzeit, zu niedrigen Miet- sowie Betriebskosten und mit flexiblen Grundrissen zu errichten. Das Büro ksw architekten + stadtplaner empfahl daraufhin eine hochwärmedämmende Gebäudehülle aus dem Poroton-S10-MW von Wienerberger in der Wandstärke 42,5 Zentimeter. Um eine nahezu wärmebrückenfreie Außenkonstruktion zu erzielen, sahen die Planer zahlreiche Ergänzungsprodukte aus gebranntem Ton vor. Beispielsweise Laibungsziegel und wärmegedämmte Anschlagschalen für Fenster- und Balkontürbereiche sowie Deckenrandschalen. Letztere um den Decken-Wand-Knoten auch wärme- und schallschutztechnisch zu optimieren. Der U-Wert der Außenwand mit 1,5 Zentimetern Innen- und 2,0 Zentimetern Außenputz beträgt 0,22 W/m2K und passt im Ergebnis zum geforderten Niveau KfW-Effizienzhaus 70. Der Jahresprimärenergiebedarf bei dem mit Fernwärme versorgten Projekt beträgt 11,66 kWh/m2a.

Niedrige Wartungskosten

Neben den brandschutztechnischen und den statischen Qualitäten des Poroton-S10-MW sorgt der Ziegel auch für die schallschutztechnische Optimierung dieses Gebäudes, in dem zahlreiche Menschen leben werden. Um die Wartungskosten über die gesamte Standzeit niedrig zu halten, empfahlen die Architekten, auf jegliche künstliche Dämmung an der Fassade zu verzichten. „Wir sahen das als eindeutige Alternative – bei nahezu vergleichbaren Kostengrößen“, so Architekt Dipl.-Ing. Eckhard Wunderling von ksw architekten: „Die einfache und robuste Ziegelkonstruktion bietet zudem den Vorteil eines rissfreien Putzuntergrundes. So werden auf Jahrzehnte hin die Kosten für die Bestandserhaltung der Gebäudehülle sehr niedrig ausfallen.“

Zukunftsfähige Adaptionen

Weitsicht bewiesen Auftraggeber und Projektbeteiligte zudem mit einem modifizierbaren Nutzungskonzept nach zehn Jahren. In dem Flüchtlingswohnprojekt entstehen dann Sozialwohnungen. Deshalb wurde ein Teil der Innenwände in Leichtbauweise so umgesetzt, dass Grundrissänderungen problemlos sind. Vorgesehen sind dann 20 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen von 37 bis 85 Quadratmetern.
Die Zuwanderung nach Deutschland hat den grundsätzlichen Mangel an günstigem Wohnraum noch deutlich verschärft. Benötigt werden kurzfristige, aber zukunftsfähige Konzepte, denn in Ballungsgebieten und Universitätsstädten mangelt es weiterhin an Sozial- und Studentenwohnungen. Das Hannoveraner Projekt zeigt, dass Massivbauten aus Ziegeln, in nur sechs Monaten errichtet, langfristig eine optimale Entscheidung sind. Auch, wenn Planer und Auftraggeber mit einem Budget von nur 4,6 Millionen Euro brutto, inklusive der Gewerberäume, rechnen mussten, beziehen die Flüchtlinge ein attraktives Wohngebäude in zeitgemäßer Architektur. Die Stadt Hannover verfügt mit diesem Flüchtlingswohnheim über ein für die Bundesrepublik beispielgebendes Projekt.