BAU 2017 Koramic: Tondachziegel aus der Manufaktur

•    Individuelle Dachlösungen aus Ton – handmade by Wienerberger
•    Wirtschaftliche Lösungen auch für den Denkmalschutz
•    Umfassende Beratung bei historischen Dächern und ambitionierten Dacharchitekturen

Hannover, Oktober 2016 (PRG) – Außergewöhnliche Dächer erfordern nicht selten individuelle Dachziegelformen und -farben. Häufig spielt die Denkmalpflege eine entscheidende Rolle, manchmal ist es eine äußerst anspruchsvolle Dachgeometrie. Immer jedoch sind es Lösungen, die maßgeschneidert für das jeweilige Projekt entwickelt und gefertigt werden. Dies geschieht stets im engen Dialog mit den Baubeteiligten. Als einer der wenigen großen Dachziegelhersteller verfügt die Wienerberger GmbH am Werksstandort Eisenberg in der Pfalz über eine eigene Manufaktur. Ob seriell produzierte Sonderziegelformen oder handgeformte Schmuckziegel, dank jahrzehntelanger Erfahrung mit mehr als tausend neu produzierten Dachziegelmodellen entwickelt das Expertenteam der Manufaktur immer wieder auch wirtschaftlich darstellbare Lösungen in zeitgemäßer Qualität. Nachfolgende Beispiele geben einen kleinen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten der technischen Unterstützung bei historischen Dächern.

Individueller Biberschwanzziegel

Im Zuge der Sanierung des ehemaligen Kapuzinerklosters in Dillingen wurde auch die Dachdeckung des Klostertraktes erneuert. Entsprechend der historischen Vorgabe erfolgte die Deckung der insgesamt 1 100 Quadratmeter großen Dachflächen mit Biberschwanzziegeln in Doppeldeckung. Um das Deckbild der historischen Bestandsdeckung beizubehalten, kamen für die Neueindeckung nur Biber in Frage, die in Größe und Oberflächenbeschaffenheit mit dem Original vergleichbar sind. Obwohl die Wienerberger GmbH in ihrem Produktprogramm auch Biber mit Sonderschnitten und -dicken, speziellen -farben und -oberflächen für die Denkmalpflege anbietet, war im Standardsortiment kein dafür geeigneter zu finden.
In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem staatlichen Bauamt in Krumbach entwickelte die Manufaktur einen individuell gefertigten Sonderbiber mit passender Handstrichoberfläche. Für die Sanierung der Dächer des ehemaligen Kapuzinerklosters in Dillingen produzierte die Wienerberger GmbH annähernd 60 000 Handstrich-Schlossbiber mit Korbbogenschnitt in Naturrot im Format 15,5 x 38 x 1,6 Zentimeter. Abweichend zur Dicke von Standardbibern wurden auch hier – für kirchliche Objekte nicht ungewöhnlich – stärkere Biber als Deckmaterial verwendet.
 

Handgeformte Schönheiten

Ein Beispiel für handgeformte Schmuckfirste und -grate ist die Heilandskirche in Leipzig. Neben den Flächenziegeln in Sonderfarbe für das rund 1 150 Quadratmeter große Kirchendach konnte Wienerberger auch die für die zahlreichen Grate und Firste geforderten Ziegel mit Schmuckelementen herstellen. Hierzu griff man auf Vorlagen aus alten Katalogen von 1891 und 1897 zurück. Anhand der Unterlagen bauten die Spezialisten für Manufaktur-Ziegel die gewünschten Schmuckfirste und -grate nach. Auf den Gratziegeln wurden die Schmuckornamente in Form einer Blattverzierung im rechten Winkel zur Mittelachse am unteren Überdeckungsbereich des Ziegels angeordnet. In der Fertigung gelang es den Spezialisten, Gratziegel und gepresstes Blattornament derart zu verbinden – man spricht dabei von Angarnieren –, dass diese im Brand stabil blieben. 

Auf den im Original circa 53 Zentimeter langen Schmuckfirsten ist das Ornament einer gotischen Blüte mittig auf dem Höckerplateau angeordnet. Für die Handformer aus der Manufaktur-Werkstatt bestand die besondere Aufgabe darin, das sehr aufwendige Schmuckornament mit dem großen Firstziegel durch Verzapfen zu verbinden, ohne dass es dauerhaft Schaden nimmt oder sich ablöst. Firstziegel und Schmuckornament wurden unabhängig voneinander geformt, engobiert und gebrannt und erst abschließend zusammengefügt. Die im Gegensatz zum Original et-was kürzeren Schmuckfirste wurden zudem im Überdeckungsbereich gesondert ausgeformt. Dadurch wird trotz Vermörtelung die Firstentlüftung ermöglicht.

Harmonische Übersetzung

Das imposante Kuppeldach der Westend-Synagoge in Frankfurt musste saniert werden. Die vorhandene vermörtelte Mönch-Nonne-Deckung sollte durch eine trockenverlegte Mönch-Nonne-Deckung ersetzt werden. Die für Kuppeldächer typische geometrische Abwicklung erforderte eine Reduzierung der Ziegelanzahl in den Reihen von der Traufe zum First. Wienerberger bietet neben den historischen Dachziegelmodellen Mönch und Nonne als Einzelziegel auch passende Formziegel zur Verjüngung der Deckung an. Das spezielle Übersetzer-Set wird wie die Mönch- und Nonnenziegel objektbezogen produziert. Im Vorfeld der Dachsanierung erfolgte eine Beratung vor Ort. Auf Grundlage der dort erhobenen Daten entwickelten die Anwendungsspezialisten von Wienerberger einen Verlegeplan, der auch die notwendige Anzahl der Übersetzer aufweist. Das aus insgesamt drei aufeinander abgestimmten konischen Mönchen bestehende Übersetzer-Set wurde in Frankfurt passend zur Dachabwicklung vier-, fünf- und sechsfach in den zum First laufenden Reihen verlegt. Dadurch konnte die Anzahl der Mönch- und Nonnenziegel entsprechend der jeweiligen Dachneigung in den einzelnen Reihen optisch ansprechend reduziert werden.
 
Wienerberger auf der BAU: Halle A3, Stand 100/101